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Wie funktioniert Multi User Picking im Lager?

Wie funktioniert Multi User Picking im Lager?

Um 10:15 Uhr laufen 180 neue Bestellungen gleichzeitig ein. Ein Mitarbeiter sammelt bereits Artikel für Paket A, zwei weitere stehen vor derselben Regalzone und suchen jeweils eigene Positionen. Ohne klare Steuerung entstehen Wartezeiten, Doppelwege und im schlimmsten Fall ein falscher Versand. Wie funktioniert Multi User Picking so, dass mehrere Mitarbeitende wirklich schneller arbeiten statt sich gegenseitig auszubremsen? Entscheidend ist nicht die Zahl der Picker, sondern die Logik hinter der Auftragsverteilung.

Was Multi User Picking im Lager bedeutet

Multi User Picking beschreibt einen Kommissionierprozess, bei dem mehrere Lagerkräfte parallel auf denselben Auftragsbestand zugreifen. Das System verteilt die offenen Pickaufträge so, dass jede Person eine eindeutige Aufgabe, eine passende Route und einen aktuellen Status erhält. Alle arbeiten gleichzeitig, aber nicht ungeordnet.

Der Unterschied zum einfachen Verteilen ausgedruckter Picklisten ist erheblich. Bei Papierlisten weiß niemand automatisch, welcher Artikel gerade entnommen wurde, ob ein Auftrag schon vollständig ist oder ob zwei Personen denselben Bestand verplanen. Multi User Picking macht diese Informationen live sichtbar. Jede Entnahme wird direkt bestätigt, Bestände werden aktualisiert und der nächste Prozessschritt kann ohne Rückfrage starten.

Das ist besonders relevant für Händler mit vielen kleinen Aufträgen, mehreren Verkaufskanälen und einem wechselnden Tagesvolumen. Wer morgens 30 Sendungen bearbeitet und nachmittags 300, braucht keinen neuen Lagerprozess. Er braucht einen Prozess, der mitwächst.

Wie funktioniert Multi User Picking in der Praxis?

Am Anfang stehen die offenen Aufträge aus Shop, Marktplätzen oder dem B2B-Geschäft. Das Lagerverwaltungssystem prüft, welche Artikel verfügbar sind, welche Aufträge Priorität haben und welche Positionen sinnvoll zusammen bearbeitet werden können. Dabei zählen etwa Versandzeitpunkte, gewählte Versandarten, Lagerzonen, Auftragsgröße und der aktuelle Bearbeitungsstand.

Anschließend erhält jede Lagerkraft einen klaren Pickauftrag auf dem vorhandenen Gerät, etwa Smartphone, Tablet oder Scanner. Die Person wird zum Lagerplatz geführt, bestätigt die Entnahme und arbeitet den Auftrag oder die zugewiesene Pickwelle weiter ab. Der Status ändert sich sofort für alle anderen Nutzer.

Greift ein Picker auf den letzten verfügbaren Artikel zu, wird diese Bestandsänderung unmittelbar berücksichtigt. Ein anderer Auftrag kann den Artikel nicht mehr versehentlich parallel verplanen. Bei einer Fehlmenge lässt sich der Auftrag gezielt zurückstellen, ein Ersatzartikel prüfen oder der Einkauf informieren. Das verhindert, dass ein Problem erst am Packtisch sichtbar wird, wenn der Karton eigentlich schon rausgehen müsste.

Im Idealfall endet der Prozess nicht mit dem letzten Scan. Vollständige Aufträge werden direkt an Packen, Versandlabel-Erstellung oder Übergabe weitergegeben. Multi User Picking ist deshalb keine einzelne Lagerfunktion, sondern die verbindende Schicht zwischen Auftragseingang, Bestand, Kommissionierung und Versand.

Die Auftragsverteilung entscheidet über den Effekt

Mehr Personal führt nicht automatisch zu mehr Durchsatz. Werden Aufträge blind nach Eingangszeit verteilt, laufen drei Personen möglicherweise in dieselbe hintere Lagergasse. Gleichzeitig bleibt eine andere Zone unberührt. Gute Multi-User-Logik berücksichtigt deshalb Laufwege und Lagerbereiche.

In einem zonierten Lager kann beispielsweise eine Person Kleinteile picken, während eine zweite für sperrige Ware zuständig ist. Bei hoher Auftragsdichte lassen sich Aufträge mit ähnlichen Artikeln oder benachbarten Lagerplätzen bündeln. Das reduziert unnötige Meter und hält die Laufwege planbar. Bei geringem Volumen kann dagegen die Einzelkommissionierung pro Auftrag sinnvoller sein, weil die spätere Sortierung entfällt.

Welche Variante passt, hängt von Sortiment, Lagerlayout und Auftragsstruktur ab. Ein Ersatzteillager mit vielen kleinen Positionen profitiert oft von Bündelung und klaren Zonen. Ein Händler für einzelne, größere Produkte arbeitet häufig effizienter mit direkt auftragsbezogenen Wegen. Die Software muss diese Realität abbilden, nicht umgekehrt.

Echtzeitbestände verhindern Konflikte

Der größte Vorteil entsteht dort, wo Prozesse normalerweise brechen: bei knappen Beständen, parallelen Shopbestellungen und kurzfristigen Änderungen. Multi User Picking braucht eine zentrale Bestandswahrheit. Jeder Scan, jede Retoure, jede Umbuchung und jeder Wareneingang muss im selben System ankommen.

Sonst beschleunigt das Team zwar die Entnahme, produziert aber neue Fehler. Ein Marktplatz verkauft dann Ware, die gerade im Lager als fehlend gemeldet wurde. Oder ein Picker sucht einen Artikel, der in Wahrheit schon für einen anderen Auftrag reserviert ist. Geschwindigkeit ohne saubere Bestandsführung ist nur schnelleres Chaos.

Eine browserbasierte Plattform wie Gäbig bringt Shop, Marktplätze, Lager und Versand in einen gemeinsamen Ablauf. Mitarbeitende arbeiten auf vorhandenen Geräten, während die Auftrags- und Bestandsdaten zentral aktuell bleiben. Das senkt die Einstiegshürde gerade für mittelständische Teams, die keine Spezialhardware beschaffen und kein langes Implementierungsprojekt starten wollen.

Typischer Ablauf vom Auftrag bis zum Versand

Ein sauber eingerichteter Multi-User-Prozess folgt einer einfachen operativen Kette. Neue Bestellungen werden zunächst automatisch importiert und anhand von Status, Zahlungsfreigabe und Liefertermin geprüft. Das System reserviert verfügbare Ware und stellt pickbare Aufträge bereit.

Im nächsten Schritt wird die Arbeit verteilt. Das kann nach Person, Zone, Priorität oder Pickwelle erfolgen. Jede Lagerkraft sieht nur die Aufgaben, die gerade relevant sind. Damit fallen Zurufe wie „Wer hat Auftrag 4711?“ oder Rückfragen zum nächsten Weg weg.

Am Lagerplatz wird der Artikel über Scan, Pick-by-Light oder eine eindeutige Bestätigung verifiziert. Die Entnahme wird sofort gebucht. Stimmt Menge oder Artikel nicht, meldet das System die Abweichung an der Stelle, an der sie entsteht. Das spart Zeit und schützt die Versandqualität.

Nach dem Picking werden die Positionen je nach Prozess am Packplatz zusammengeführt, geprüft und versendet. Versanddokumente und Labels können automatisch erzeugt werden. Die Sendungsdaten gehen zurück an Shop und Marktplatz. So bleibt auch der Kundenservice auskunftsfähig, ohne im Lager nachfragen zu müssen.

Welche Kennzahlen zeigen, ob Multi User Picking funktioniert?

Nicht jede Verbesserung ist sofort in einer großen Monatszahl sichtbar. Im Lager lohnt sich der Blick auf wenige, eindeutige Kennzahlen. Dazu gehören Picks pro Stunde, durchschnittliche Bearbeitungszeit pro Auftrag, Fehlerquote, Anteil verspäteter Sendungen und die Zahl offener Aufträge zu festen Zeitpunkten.

Auch Laufwege verdienen Aufmerksamkeit. Wenn zusätzliche Picker die Durchlaufzeit kaum verbessern, liegt das Problem oft nicht an der Teamgröße. Häufig bremsen schlechte Lagerplatzierung, fehlende Priorisierung oder ein überfüllter Packplatz. Multi User Picking macht diese Engpässe sichtbar, weil Bearbeitungsstände und Zeiten nicht mehr auf Zetteln verschwinden.

Wichtig ist eine realistische Einführung. Starten Sie mit einem klar abgegrenzten Bereich, etwa Standardaufträgen aus dem Onlineshop. Prüfen Sie nach einigen Tagen, ob Wege, Pickqualität und Übergabe an den Versand funktionieren. Erst dann kommen Sonderfälle wie Teillieferungen, Sets, sperrige Artikel oder mehrere Packplätze hinzu. Das reduziert Risiken und sorgt dafür, dass das Team die Logik im Alltag akzeptiert.

Multi User Picking beginnt vor dem ersten Pick

Ein schneller Pickprozess kann fehlende Ware nicht ersetzen. Darum gehört die Einkaufsoptimierung direkt dazu. Verkaufsstatistiken, aktuelle Reservierungen, offene Bestellungen und saisonale Muster zeigen, wann Artikel nachbestellt werden müssen. Automatische Bestellvorschläge helfen, Reichweiten zu sichern, ohne unnötig Kapital in langsam drehende Bestände zu binden.

Das ist die Verbindung, die viele Lagerprozesse übersehen: Wer den Bestand nur beim Picken betrachtet, reagiert zu spät. Wer Nachfrage, Saisonalität und tatsächlichen Abverkauf in die Disposition einbezieht, hält die richtigen Artikel verfügbar und senkt gleichzeitig die Liquiditätsbindung. Weniger Fehlmengen bedeuten weniger unterbrochene Pickaufträge, weniger Stornos und weniger hektische Nacharbeit.

Multi User Picking wirkt deshalb am stärksten als Teil eines durchgängigen Systems. Klare Aufträge, aktuelle Bestände, intelligente Nachbestellung und ein Versand, der ohne Medienbruch anschließt: Das schafft Ruhe im Lager, auch wenn das Bestellvolumen steigt. Einfach. Smart. Im Alltag wirksam.