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Pick by Light oder Scanner: Was passt ins Lager?

Pick by Light oder Scanner: Was passt ins Lager?

Wenn im Lager dieselben Artikel immer wieder gesucht, falsch gescannt oder an den falschen Packplatz gebracht werden, stellt sich schnell die Frage: Pick by Light oder Scanner? Beide Verfahren führen Mitarbeitende durch die Kommissionierung. Doch sie lösen unterschiedliche Probleme. Wer nur Geräte vergleicht, übersieht den entscheidenden Punkt: Entscheidend sind Auftragsstruktur, Laufwege, Artikelvielfalt und die Qualität der Bestandsdaten.

Für wachsende Handels- und E-Commerce-Unternehmen geht es nicht um Technik als Selbstzweck. Es geht um weniger Fehlversand, schnellere Durchlaufzeiten und einen Prozess, der auch dann funktioniert, wenn das Tagesvolumen plötzlich anzieht. Die passende Lösung macht aus Lagerwissen einen klaren, wiederholbaren Ablauf.

Pick by Light oder Scanner: Der Unterschied im Alltag

Beim Scanner-Picking erhält die Person den nächsten Pickauftrag auf einem mobilen Gerät. Sie geht zum Lagerplatz, scannt Artikel oder Platz, bestätigt die Menge und wird zum nächsten Schritt geführt. Das Verfahren ist flexibel, mobil und besonders stark, wenn sich Aufträge, Wege oder Sortimente häufig ändern.

Pick by Light arbeitet direkt am Lagerplatz. Ein ESL-Tag oder Lichtsignal zeigt an, welcher Artikel in welcher Menge entnommen werden soll. Die Entnahme wird am Platz bestätigt. Mitarbeitende müssen dabei nicht fortlaufend auf ein Handgerät schauen oder Produktnummern abgleichen. Das reduziert Suchzeit und macht die Kommissionierung sehr visuell.

Der Unterschied wirkt klein, ist operativ aber relevant. Scanner führen Menschen durch einen variablen Prozess. Pick by Light strukturiert einen wiederkehrenden Prozess direkt im Regal. Deshalb ist die Frage nicht, welches System grundsätzlich schneller ist. Die bessere Frage lautet: Wo entsteht heute der Engpass?

Wann Scanner die bessere Wahl sind

Scanner-Picking passt gut zu Lagern mit vielen Artikeln, wechselnden Lagerplätzen oder stark variierenden Aufträgen. Wer täglich Einzelaufträge aus Shop, Marktplätzen und B2B-Kanälen verarbeitet, braucht eine Führung, die bei jeder Tour den sinnvollsten nächsten Schritt zeigt.

Besonders hilfreich ist der Scanner bei langen Laufwegen. Statt Papierlisten zu lesen und Positionen selbst zu sortieren, führt das Gerät durch die Tour. Ein Scan bestätigt Artikel, Variante, Charge oder Lagerplatz. Das ist ein wirksamer Schutz gegen Verwechslungen bei ähnlichen Produkten, Farben, Größen oder EANs.

Auch beim Wareneingang, bei Umlagerungen, Inventuren und Retouren ist der Scanner oft die naheliegende Lösung. Diese Vorgänge finden nicht dauerhaft an einem festen Regalplatz statt. Mobilität zählt mehr als eine visuelle Anzeige am Fach.

Scanner haben aber eine Voraussetzung: Die Stammdaten müssen stimmen. Ist ein Artikel falsch angelegt, ein Barcode nicht gepflegt oder ein Lagerplatz unklar, beschleunigt der Scan den Fehler nicht. Er macht ihn nur früher sichtbar. Genau deshalb gehören Artikelpflege, Bestandslogik und Lagerführung in dieselbe operative Plattform.

Scanner-Picking ist stark bei Variabilität

Je größer die Sortimentsbreite und je unregelmäßiger die Aufträge, desto mehr spielt der Scanner seine Stärke aus. Das gilt etwa für Ersatzteile, saisonale Ware, große Artikel, Ware mit Seriennummern oder Bestellungen mit vielen Sonderfällen.

Auch kleine Teams profitieren. Neue Mitarbeitende brauchen keine Erfahrung mit Regalstrukturen im Kopf. Das System gibt die Reihenfolge vor, verlangt Bestätigungen und hält den Prozess nachvollziehbar. Das senkt die Abhängigkeit von einzelnen Personen, die "wissen, wo alles liegt".

Wann Pick by Light Tempo bringt

Pick by Light zeigt seine Wirkung dort, wo viele ähnliche Pickbewegungen wiederholt ablaufen. Typisch sind Schnellläufer, Kleinartikel, Kommissionierzonen mit hoher Dichte und Aufträge mit wenigen Positionen. Wenn ein Team pro Stunde viele Griffe aus denselben Regalen ausführt, spart jede vermiedene Suche Zeit.

Das Lichtsignal lenkt den Blick genau dorthin, wo die Entnahme erfolgt. Die angezeigte Menge reduziert Rückfragen und unnötige Kontrollschritte. Gerade bei Batch-Picking, bei dem mehrere Aufträge in einem Lauf zusammengestellt werden, können mehrere Lagerplätze gleichzeitig aktiv sein. Mitarbeitende arbeiten dadurch flüssiger und konzentrieren sich auf die Entnahme statt auf das Interpretieren einer Liste.

Pick by Light ist außerdem nützlich, wenn Aushilfen oder wechselnde Teams eingesetzt werden. Eine kurze visuelle Anweisung ist schneller verstanden als ein komplexer Bildschirmprozess. Das hilft in Spitzenzeiten, etwa vor Weihnachten, bei Aktionen oder nach einem erfolgreichen Marketplace-Launch.

Pick by Light braucht eine sinnvolle Zonierung

Die Technik lohnt sich nicht automatisch für jedes Regal. Ein langsam drehender Artikel, der einmal pro Woche gepickt wird, braucht in der Regel kein Lichtsignal. Die Investition gehört in Bereiche mit hoher Zugriffshäufigkeit.

Dafür müssen Schnellläufer sauber platziert sein. Artikel, die häufig gemeinsam bestellt werden, sollten nicht unnötig weit auseinanderliegen. Ein gutes Pick-by-Light-Setup folgt also nicht nur dem Regal, sondern realen Auftragsdaten. Welche Produkte laufen gemeinsam? Wo entstehen Wartezeiten? Welche Wege werden hundertfach am Tag gegangen?

Die häufigste Fehlentscheidung: Entweder-oder denken

Viele Lager müssen sich nicht vollständig zwischen Pick by Light und Scanner entscheiden. Der sinnvollste Ablauf kombiniert beide Methoden. Scanner steuern mobile, variable und kontrollintensive Prozesse. Pick by Light beschleunigt feste Kommissionierzonen mit hohem Volumen.

Ein Beispiel aus dem E-Commerce: Im Wareneingang wird Ware per Scanner erfasst und einem Lagerplatz zugeordnet. Schnellläufer landen in einer Pick-by-Light-Zone. Bei der Kommissionierung leuchten dort die benötigten Fächer auf. Sperrige Artikel, Sondervarianten oder Ware aus Reserveplätzen werden parallel per Scanner geführt. Am Packplatz prüft das System Auftrag, Versandart und Etikett.

So entsteht kein Medienbruch. Der Auftrag bleibt vom Verkaufskanal bis zum Versand in einem Prozess. Bestände werden bei jeder Bewegung aktualisiert, und der Versand erhält die Daten, die er tatsächlich braucht. Das ist wichtiger als die Frage, ob ein Licht oder ein Scan den nächsten Pick auslöst.

Worauf Sie vor der Entscheidung schauen sollten

Beginnen Sie nicht mit Hardware, sondern mit Daten aus dem Lageralltag. Wie viele Aufträge gehen pro Tag raus? Wie viele Positionen hat ein Auftrag im Durchschnitt? Welche Artikel werden am häufigsten angefasst? Wie hoch ist die Fehlerquote und an welcher Stelle entsteht sie?

Danach lohnt sich ein Blick auf die Wege. Wenn Mitarbeitende lange Strecken zwischen wenigen Positionen zurücklegen, hilft eine bessere Tourenlogik meist stärker als ein Lichtsignal. Wenn sie dagegen in einer dichten Schnellläuferzone ständig zwischen Fächern wechseln, kann Pick by Light den Durchsatz deutlich erhöhen.

Auch die Bestandsführung entscheidet mit. Verkaufen Sie über Shop und Marktplätze gleichzeitig, muss jede Entnahme sofort im verfügbaren Bestand ankommen. Sonst wird schnell etwas verkauft, das im Regal längst fehlt. Weder Scanner noch Licht lösen Overselling allein. Die Steuerung dahinter muss Verkauf, Lager, Nachbestellung und Retouren zusammenbringen.

Kosten sollten ebenfalls vollständig betrachtet werden. Beim Scanner zählen nicht nur Anschaffung oder vorhandene Smartphones, sondern auch Bedienbarkeit, Akkus, Barcodes und Schulung. Bei Pick by Light zählen die Anzahl der Pickplätze, Montage, Anpassbarkeit der Zonen und die Anbindung an die Lagersoftware. Webbasierte Lösungen wie Gäbig vermeiden dabei den Zwang zu proprietären Endgeräten und halten den Einstieg überschaubar.

Ein sinnvoller Start ohne Großprojekt

Sie müssen nicht das gesamte Lager auf einmal umbauen. Starten Sie mit dem Bereich, der täglich am meisten Reibung erzeugt. Das kann die Schnellläuferzone sein, eine bestimmte Produktgruppe oder der Packprozess nach dem Picking.

Messen Sie vorher und nachher dieselben Kennzahlen: Picks pro Stunde, Fehlpicks, Durchlaufzeit je Auftrag, Rückfragen im Team und Stornos wegen fehlender Ware. So wird schnell sichtbar, ob die Maßnahme nur moderner aussieht oder den Betrieb tatsächlich entlastet.

Gute Lagertechnik fällt im besten Fall kaum auf. Mitarbeitende finden schneller zum richtigen Fach, Bestände bleiben verlässlich, und Aufträge verlassen das Lager ohne Nacharbeit. Wählen Sie deshalb nicht die spektakulärste Lösung, sondern diejenige, die Ihren nächsten Arbeitstag spürbar einfacher macht.